Die Kleingartenkolonie Canova ist im Jahre 1924 entstanden und lag
damals gegenüber dem Auguste-Viktoria-Krankenhaus, dort wo sich heute der Grazer Damm
befindet. Dann wurde der Grazer Damm angelegt, und das Kleingartengelände musste
verkleinert werden. Es entstand die Bebauung zwischen Grazer Damm und dem neu entstandenen
Riemenschneiderweg. Dahinter wurden nun die Kolonien neu geordnet. Unsere Kolonie befindet
sich nun parallel zum Riemenschneiderweg, zwischen Prellerweg und Grazer Platz.
Es gab in unserer Kolonie einen Festplatz, darauf ein Steinpodest, auf dem Musikkapellen
zu Kinderfesten spielten und abends die Erwachsenen mit Tanzmusik erfreuten.
Weil die Naziregierung einen Verschiebebahnhof auf dem Südgelände bauen lassen wollte,
wurden die Kleingärten gekündigt. Dann kam der Krieg.
Nach 1945 zäunten einige Leute wieder kleine Stücke ab, um Tabak und Gemüse anzubauen.
Für die Zäune musste herhalten, was in den Ruinen zu finden war, egal ob rund oder
eckig, es war ein Zaunpfahl. Nachbarschaftshilfe wurde großgeschrieben. Aus Trümmern und
Abbruch wurde viel
geschaffen. Bretter waren knapp, dafür gab es mehr Steine. Zwischen die Steine füllte
man gesiebten alten Putz, Lehm und wenn es möglich war, etwas Zement. In dem Bauwerk
hielt später kein Nagel mehr. Mit der Zeit normalisierte sich das Leben und ab etwa 1949
konnten wieder Parzellen vergeben werden.
Erst im Jahre 1956 wurden wieder Pachtverträge abgeschlossen. Die Jahrespacht betrug
damals 10,50 DM. Bäume und Sträucher holte man aus dem Osten (Potsdamer Platz), im
Westen gab es fast gar nichts. Meterhoch wuchs das Unkraut, aber wir hatten eine
Wasserleitung und brauchten nicht wie andere Gärtner das Wasser aus einem Brunnen
schöpfen.
Gemeinschaft wurde groß geschrieben, jeder half jedem, .....und dann kam der
Wohlstand.
Rosen und Teiche mussten jetzt in die Gärten. Statt der gemütlichen Holzbank sind
Freizeitschaukeln modern geworden. in den sechziger Jahren bekam unsere Kolonie ihr
jetziges Aussehen. Es wurden vom Senat Flächennutzungspläne aufgestellt.
Die Parzellen wurden neu vermessen und aufgeteilt. Unsere Kolonie bekam unter dem
damaligen 1. Vorsitzenden, Herrn Willi Jänicke eine Eintragung ins Vereinsregister
und wurde am 22. März 1973 ein eingetragener Verein.
1972 wurde in der Jahreshauptversammlung darauf hingewiesen, dass unsere Kolonie im
Flächennutzungsplan als Dauergrünfläche ausgewiesen ist. Es sollten Dauerkleingärten
angelegt werden. Dies dauerte jedoch noch einige Jahre.
Anfang der 80er Jahre begannen dann, unter dem 1981 neu gewählten 1. Vorsitzenden, Herrn
Gerhard Schaplow, die Sanierungsarbeiten, und mit der Verlegung einer neuen
Hauptwasserleitung wurde begonnen.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde am 4. Mai 1981 die Einrichtung
einer Gemeinschaftsparzelle beschlossen und bald darauf auch durchgeführt.
1985 wurde der bisherige 1. Kassierer, Herr Martin Neugebauer zum 1. Vorsitzenden
gewählt. Er führte die Arbeit der Sanierung unserer Kolonie fort und setzte sich für
den Erhalt unserer Parzellen ein. Als dann 1989 der gesamte Vorstand zurücktrat, wurde
Herr Georg Geidner zum
1. Vorsitzenden gewählt. Er verfaste diese Chronik bis hierher.
Sein Vorsitz dauerte bis Febr. 1993. In diesem Jahr faste man im Bezirksamt die
Entscheidung eine im Bebauungsplan enthaltene Kindertagesstätte in mitten unserer Kolonie
zu errichten. Sämtliche Einwände und Eingaben an die entsprechenden Stellen des
Senats und an die BVV Schöneberg, blieben auch für den nachfolgenden 1. Vorsitzenden,
Herrn Peter Hermann ohne Erfolg. Seine Amtszeit betrug 1 Jahr. Er trat aus
gesundheitlichen Gründen im Februar 1994 zurück.
Auf der Jahreshauptversammlung im Febr. 1994 wurde der damalige 1. Kassierer, Herr Jürgen
Bode zum 1. Vorsitzenden gewählt und ist auch heute noch in diesem Amt.
Durch den Bau der Kindertagesstätte am Riemenschneiderweg, im Gelände unserer Kolonie
mussten 14 Kleingärten weichen, darunter auch unsere Gemeinschaftsparzelle.
Die räumliche Teilung der Kolonie durch die Tagesstätte macht das Zusammenleben
innerhalb des Vereins nicht gerade leicht.
Am 26. Mai 1994 konnten wir die freigewordene Parzelle Nr. 102 als neue
Gemeinschafsparzelle besetzen. In dieser Parzelle werden alle unsere Sommerfestlichkeiten,
wie das Kinderfest, Grillfest, Skatturniere und Erntedankfest abgehalten. Die ständigen
Sitzungen des geschäftsführenden Vorstandes finden auch während der Gartensaison dort
statt. 1999 wurde ein neues Laubenvordach und ein Terrassendach installiert, das eine
Größe von ca. 50qm hat. Somit kann man bei den Veranstaltungen auch wenn es regnen
sollte, im trockenen oder bei Sonne im Schatten sitzen.
Im Jahre 1997 wurden in allen Parzellen laut Vereinsbeschluss Wasseruhren eingebaut. Dies
war bedingt durch die sehr hohen jährlichen Wasserkosten, die nicht nach dem Verbrauch
des einzelnen Pächters, sondern nach der Größe des Gartens berechnet wurde. Durch
diese Änderung ist eine bedeutender Rückgang des Wasserverbrauchs zu verzeichnen und
jeder hat die Möglichkeit seinen eigenen Verbrauch sichtbar zu regeln.
1999 feierten wir im Saal des Hotels "SI - Steglitz" unser 75 jähriges
Bestehen, Ehrengäste waren der 1. Vorsitzende des Landesverbandes der Gartenfreunde
Berlin, Herr Jürgen Hurt mit Ehefrau und der 1. Vorsitzende des Bezirksverbandes der
Kleingärtner Schöneberg-Friedenau, Herr Karl-Heinz Bothe mit Ehefrau.
Jürgen Bode
1. Vorsitzender
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