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Schnecken und ihre Bekämpfung

Zu den wichtigsten Schädlingen in unseren Gärten gehören in allen grünen Bereichen die Schnecken. In Berlin werden vorwiegend von den Vertretern der Familien der Wegschnecken (Arionidae) und der Ackerschnecken (Agriolimacidae) Schäden verursacht. Und nach dem milden Winter können wir uns schon auf ihren zahlreichen Besuch freuen.

Zur Biologie unserer Nacktschneckenarten sollten wir wissen, dass sie vorwiegend Zwitter sind und somit jede Schnecke im Garten ein Vermehrungspotential darstellt. Pro Jahr gibt es meist eine Generation, deren zeitliches Auftreten aufgrund von Temperaturschwankungen variieren kann.

Durchschnittlich werden 50 bis 150 Eier je Tier in Erdhöhlen abgelegt, meist im Zeitraum von September bis April. Die Eier sind winterhärter als geschlüpfte Jungtiere bzw. ausgewachsene Schnecken. Nacktschnecken sind meist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie benötigen zum Überleben und zur Ausbreitung Feuchtigkeit, weil ihnen ein wirksamer Verdunstungsschutz fehlt.

Schnecken können gut riechen und wittern ihre Nahrung aus großer Entfernung. Sie legen in einer Nacht bis zu 25 m zurück.

Faktoren, die den Schneckenbefall fördern

Viele Lieblingspflanzen der Schnecken, z. B. im Gemüse- und Kräutergarten locken Schnecken regelrecht an.

Durch dichte Bepflanzungen wird den Schnecken ein günstiger Lebensraum gesichert. Besonders im Frühjahr, wenn sich die Pflanzen aufgrund niedriger Temperaturen und Feuchtigkeit nur langsam entwickeln, sind die Schnecken im Vorteil. Regenreiche Witterung, Taubildung und häufiges Gießen bieten Schnecken ein „Wohlfühlprogramm“. Mulchen mit groben Bestandteilen wie z. B. Rinde bieten den Tieren zusätzlich gute Versteckmöglichkeiten.

Was können wir dagegen tun?

Die zunehmende Verwendung von schneckengefährdeten Pflanzenarten wie

- Dahlie (Dahlia),

 - Prunkwinde (Ipomoea),

- Studentenblume (Tagetes),

- Salbei (Salvia),

- Leberbalsam (Ageratum),

- Sonnenhut (Rudbeckia),

- Primel (Primula ),

- Funkie (Hosta),

- Rittersporn (Delphinium),

- Blumenrohr (Canna),

- Lichtnelke (Lychnis),

- Mohn (Papaver),

- Veilchen (Viola)

 und vielen Edelgemüsearten sowie Kräutern begünstigt die Vermehrung und Ausbreitung von Schnecken im Garten.

Besonders beim Anbau dieser Pflanzenarten ist darauf zu achten, dass der Bestand nicht zu dicht gepflanzt wird und dass die Pflanzen und der Boden schnell abtrocknen können. Auf Flächen mit regelmäßig starkem Schneckenbefall sollten Pflanzenarten gewählt werden, die nicht auf dem Speisezettel der Tiere stehen.

Pflanzen, die Schnecken nicht schmecken sind:

 Fetthenne, Frauenmantel, Lavendel, Storchschnabel, Thymian, Tränendes Herz , Sommerastern, Bartfaden, Kapuzinerkresse, Nachtkerze, Pfingstrose, Ziergräser, Rosen, Graslilie, Christrose, Schmuckkörbchen, Akelei, Astilbe, Bartnelke, Geranien, Hortensien, Eisenhut, Katzenminze, Wicke, Zitronenmelisse, Begonien, Immergrün, Nelken, Steinbrech, Farnarten, Löwenmäulchen, Rosa Schlangenkopf, Eisenkraut (Verbene), Ehrenpreis (Veronica), Felberich, Pfennigkraut, Geißbart, Goldbeere, Goldrute, Hauswurz, Johanniskraut, Phlox, Spornblume, Geranie, Zierlauch, Knöterich, Staudensonnenblume, Sonnenbraut, Bergenie, Indianernessel, Purpursonnenhut, Purpurglöckchen, Herbstanemone, Purpurwolfsmilch.

Auch Bohnenkraut und Kamille, ringförmig um die Beete gepflanzt, stehen im Ruf Schnecken abzuschrecken.

Aber Schnecken ändern auch über die Zeit ihre Vorlieben für die eine oder andere Pflanze.

Förderung von Gegenspielern

Die wichtigste Maßnahme ist, die natürlichen Feinde der Nacktschnecken zu fördern: Igel, Spitzmäuse, Kröten, Frösche, Salamander, Blindschleiche, Vögel und Insekten können nachhaltig den Schneckenbestand regulieren. Die Eier der Nacktschnecken sind z. B. auch bei Weinbergschnecken und Hundertfüßlern besonders beliebt.

Mechanische Barrieren sind Schneckenzäune, trockene, steinige Wege (Schotterwege), mit Netzen oder Vliesen gut abgedeckte Beete und auch Hochbeete können die Invasion von Schnecken mechanisch erfolgreich behindern.

Die relativ teure Anschaffung von Schneckenzäunen lohnt m. E. nur dort, wo regelmäßig Schnecken aus der Umgebung zuwandern.

Barrieren aus unterschiedlichen Materialien wie Sägespänen, Branntkalk, grobem Sand u. a. wirken nur bei Trockenheit und eine solche Barriere muss mindestens 50 cm breit sein, wo bleibt der Platz für das Gemüse?

Anlocken und Sammeln

Schnecken können mit aromatischen Düften angelockt werden. Bekannt ist Bier, aber auch frisch gemahlener Kaffee, Trocken-Fischfutter, rohe Möhren-, Gurken-, oder Kartoffelstückchen. Die Tiere müssen dann täglich abgesammelt werden oder die aufgestellten Fallen entleert werden.

Unter Versteckmöglichkeiten wie z. B. nassen Brettern legen Schnecken auch sehr verlässlich ihre Eier ab, die anschließend regelmäßig vernichtet werden sollten. Dieses Verfahren kann auch als Ablenkmethode genutzt werden, um Flächen mit gefährdeten Pflanzen zu schützen.

Oftmals geht die Duftwirkung über den eigenen Garten hinaus. Deshalb ist es wichtig, die Schneckenbekämpfung möglichst gemeinsam mit mehreren Nachbarn durchzuführen, um die Wirksamkeit der Maßnahme zu erhöhen. Auch an Kompostplätzen ist das Absammeln eine hilfreiche Methode. Die eingesammelten Schnecken sollten dann schnell z. B. mit heißem Wasser abgetötet werden.

Der Einsatz des schneckenpathogenen Nematoden Phasmarhabditis hermaphrodita ist relativ teuer; es sind kleine Fadenwürmer, die in die Schnecken eindringen und diese durch giftige Bakterien innerhalb von 6–10 Tagen töten. Ist für den Einsatz im Kleingarten nicht zu empfehlen.

Chemische Bekämpfungsmöglichkeiten (Stand der Zulassung Januar 2012)

Auch für den Einsatz im Hausgarten stehen verschiedene chemische Präparate in Form von Schneckenkorn mit den Wirkstoffen Eisen-III-Phosphat oder Metaldehyd zur Verfügung. Die für die einzelnen Präparate zugelassenen Anwendungsgebiete im Freiland und unter Glas sind zum Teil unterschiedlich, auch wenn sie denselben Wirkstoff enthalten.

Meist ist der Einsatz im Freiland in verschiedenen Gemüsekulturen, in Erdbeeren und in Zierpflanzen zugelassen, im Gewächshaus auf jeden Fall bei Zierpflanzen, in vielen Fällen auch in verschiedenen Gemüsekulturen. Im Einzelfall ist die Gebrauchsanleitung des Mittels zu beachten.

Generell muss man beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – und dazu gehört auch Schneckenkorn – beachten, dass die Mittel sachgerecht angewendet werden müssen.

Das bedeutet auf jeden Fall, dass die Mittel für Kinder (und auch für Haustiere) unzugänglich aufbewahrt werden. Auch nach der Ausbringung muss man verhindern, dass Kinder oder Haustiere mit den Körnern in Kontakt kommen und sie vielleicht essen, denn die Mittel sind mehr oder weniger stark giftig. Es muss ebenfalls sichergestellt werden, dass die Wirkstoffe nicht in Gewässer gelangen, deshalb ist bei der Ausbringung ein Sicherheitsabstand von 1 m zu Gartenteichen einzuhalten.

Schneckenkorn-Präparate dürfen nicht über die Pflanzen gestreut werden sondern immer nur um die Pflanzen herum. Beim Einsatz von Schneckenkorn muss die vorgegebene Aufwandmenge eingehalten werden, da die Mittel nicht nach dem Prinzip „viel hilft viel" wirken.

Wichtig ist bei größeren Flächen eine gleichmäßige Verteilung im Bestand. Oft reicht auch bei Zuwanderung von außen eine Behandlung der Randstreifen. Auf keinen Fall darf Schneckenkorn in Häufchen ausgebracht werden.

Die beiden im Haus- und Kleingarten zugelassenen Wirkstoffe in Schneckenkorn-Präparaten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkungsweise und ihrer Giftigkeit für andere Organismen als Schnecken.

Eisen-III-Phosphat ist von den beiden zugelassenen Wirkstoffen derjenige mit der geringeren Giftigkeit für Warmblüter. Er wirkt bereits bei niedrigen Temperaturen (10 °C). Nach der Aufnahme stellen die Schnecken sofort ihre Fraßtätigkeit ein und verkriechen sich. Es findet keine erhöhte Schleimproduktion statt. Durch den Abbau des Wirkstoffes in Eisen und Phosphor bleiben keine umweltschädigenden Rückstände zurück. In den zugelassenen Kulturen (sehr breite Zulassung in Gemüse, Obst und Zierpflanzen im Freiland und unter Glas) können die Mittel 4–6 x jährlich eingesetzt werden. Es muss keine Wartezeit vom Zeitpunkt der Ausbringung des Mittels bis zum Verzehr des behandelten Gemüses oder der Erdbeeren eingehalten werden.

Präparate sind z. B.

- Ferramol Schneckenkorn,

- NEU 1165 Garten,

- Bayer Garten Schneckenkorn Biomol,

- Compo Bio-Schneckenkorn,

- Ferramol Schneckenkorn compact

Metaldehyd ist je nach Wirkstoffkonzentration in den Präparaten giftig für Haustiere, Haustiere müssen ferngehalten werden. Sie wirken besser bei etwas höheren Temperaturen und haben eine relativ lange Wirkungsdauer. Die Mittel wirken, indem den Schnecken Feuchtigkeit entzogen wird. Regnet es nach der Aufnahme stark, können sich die Schnecken wieder erholen. Ein sicheres Zeichen für eine erfolgreiche Bekämpfung sind stark schleimende Schnecken. In den zugelassenen Kulturen können die Mittel 2 x jährlich eingesetzt werden. Es muss keine Wartezeit vom Zeitpunkt der Ausbringung des Mittels bis zum Verzehr des behandelten Gemüses oder der Erdbeeren eingehalten werden.

Präparate sind z.B.

- Delicia Schnecken-Linsen,

- Glanzit Schneckenkorn,

- Schneckenkorn Spiess-Urania,

- Metarex

Neu im Angebot ist Biologisches Schnecken- Granulat. Es schützt durch seinen Duft vor Schneckenzuwanderungen auf Wegen und Plätzen. Diese ungebetenen Gäste werden mit dem ausgebrachten Granulat nicht, wie üblich, angelockt und getötet, sondern durch Duftstoffe ferngehalten. Als Duftbarriere ca. alle 2–4 cm ein Körnchen rings um den zu schützenden Platz auslegen. Granulat aus porösen Lavasteinchen, getränkt mit Geraniolöl und Lavandinöl. 250 g. Kein Töten der Tiere die Schnecken werden vertrieben mit natürlichen ätherischen Ölen.

Zu den im Internet und Handel angebotenen :

- Batteriebetriebene Pflanzschalen mit Elektro-Schock

- Schneckenpaste

- Moosextrakt

kann ich nichts weiter sagen, Erfahrungen liegen nicht vor.

Im Kleingarten sollten zuerst alle einsetzbaren nicht-chemischen Maßnahmen gegen Schnecken durchgeführt werden. Die Förderung der Nützlinge, das Absammeln, Aufstellen von Fallen und ggf. Aufstellen von Schneckenzäunen können häufig den Befall soweit eindämmen, dass der Einsatz von Schneckenkorn gar nicht oder nur noch punktuell notwendig wird. Zeichnet sich nach einem feuchten Herbst und mildem Winter ab, dass mit einem hohen Schneckenaufkommen zu rechnen ist sollte mit einer Bekämpfung rechtzeitig (wenn die Temperaturen ca. 10 °C überschreiten) begonnen werden. Dann können sich erst gar nicht wirklich große Mengen an Schnecken im Garten ausbreiten.

Gelesen bei und zusammengestellt von folgenden Publikationen:

-       Pflanzenschutzamt Berlin „ Schadschnecken und ihre Bekämpfung“

-       LWK Niedersachsen „ Hinweis zur Schneckenbekämpfung“

-       Berlin.de „Schnecken bekämpfen mit wirksamen Methoden“

-       Waschbaer.de „Biologisches Schnecken-Granulat“

-       NABU „Mit Bohnenkaffee gegen Schneckenfrass“

-       Die Kleingärtnerin „Nacktschnecken“